Stilistisch werden meine Wurzeln im abstrakten Expressionismus gesehen. Von meinem Akademielehrer Emil Schumacher habe ich viel über die „Poesie des Materials“ gelernt, das auch zu Versuchen mit unkonventionellen Materialien, wie Lackfarben, Haferflocken oder Fundstücken als Collagematerialien geführt hat. Das gilt auch für die Bildgründe: gebrauchte Papiere, Kartons, Verpackungsmaterialien. Ihre haptische Anmutung ist ebenso „durchschlagend“ auf die aufliegende Darstellung, wie ihre Größe und Form: das Ausbrechen aus dem Rechteck ermöglicht organische Reaktionen auf der Bildfläche. Unregelmäßigkeiten der Grenzlinie beeinflussen die Formen der Komposition.
Das Motiv liegt fast nie von vorneherein fest, sondern entwickelt sich aus den vorbereitenden materiellen Umständen – also der Wahl von Form, Struktur und Größe des Bildgrundes. Dieses empirische Vorgehen gibt mir die Möglichkeit, die Abfolge von Idee und Bildauftrag fast bis zur Gleichzeitigkeit zu verkürzen und damit mein Darstellungsfeld zu erweitern. Meine Bilder sind keine Illustration einer vorgefassten Idee, sondern entwickeln sich in der bildnerischen Arbeit zu einem autonomen Stück, das möglichst authentisch meine momentane Befindlichkeit spiegelt.
Dennoch haben sich im Laufe der Zeit Vorlieben für bestimmte Motive herausgebildet, in denen ich gewissermaßen Spiegelbilder meines Temperaments erkenne. Früher waren das gerne ironische Überhöhungen alltäglicher Gegenstände (zum Beispiel Tempel statt Haus oder Kelch statt Glas), heute sind es bevorzugt menschliche Figuren (oft Torsi oder traditionelle Akte), ebenso Bäume, Landschaften oder Stillleben. Unverändert gilt dabei, dass ich die Gegenstände oder Szene nie abbilde, sondern stets aus meinem begrifflichen Denken entwickle. Wenn ich solche Eindrücke aber als Gegenstände realisiere, gehen sie stets durch den Filter meiner Handschrift.
Darunter verstehe ich den fließenden Übergang von meiner tatsächlichen Handschrift zur Zeichenlinie und der bildnerischen Form. Oft ergeben sich auf der inhaltlichen Ebene literarische Assoziationen, die sich in spontan einbeschriebenen Wort- oder Satzfetzen manifestieren. Die lasse ich gewöhnlich als Spur stehen, auch wenn sich das Bild inzwischen in eine andere Richtung entwickelt hat. Man muss nicht wissen, ob das ernst gemeint ist; auch in den Bildtiteln verwende ich gern Anklänge an die Trivialsprache, manchmal Schlagertexten entliehen oder Anklängen an die Kunstgeschichte. Dabei kommt mir entgegen, dass ich mich gern und viel mit dem Schreiben befasse.